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Made in China – Noch immer kein Gütesiegel Oct 28 2008

Beitrag von freier Mitarbeiter freier Mitarbeiter | Artikel drucken

ChinaDie Nachricht von der mit Melamin verunreinigten Babynahrung und zahlreichen anderen Milchprodukten, die umgehend vom chinesischen Markt genommen werden mussten, verbreitete sich binnen weniger Stunden in der ganzen Welt. Zu spät, wie sich herausstellte. Denn zum Zeitpunkt der Meldung waren bereits zig Tausend Kinder erkrankt, wie hoch die Zahl der Todesopfer am Ende sein wird, ist noch nicht absehbar. Abgesehen von der Massenhysterie, die verständlicher Weise nach den dramatischen Presseberichten unter den Eltern ausbrach, mutierte die Klassifizierung „Made in China” durch die Vorfälle erneut zu einem viel diskutierten Topic.

Die sich regelrecht aufdrängende Überlegung könnte sein, ob solche Fehler möglicherweise der Preis des Niedrig-Löhne in der Volksrepublik ist. Ein wirkliches Gütesiegel war der Produktionsort China gewiss noch nie. Aber seit internationale Unternehmen zunehmend in China und anderen Billiglohnländern in Asien unter dem eigenen Logo produzieren lassen, ist das Land nicht mehr nur als Nation der kopierfreudigen Unternehmen bekannt. Manch einer fürchtet nun, dass sich durch die schlechte Qualität und die schlechte Bezahlung und Behandlung der Arbeitnehmer die späte Rache für die weltweite Sparfreude der „Global Player” einschleicht. Entpuppt sich die Billiglohn-Manie am Ende als Investition mit gravierenden Folgen. Vielleicht macht die Babynahrung nur den Anfang.

Abgesehen von den zum Teil verheerenden Folgen, die in der Vergangenheit Unfälle mit qualitativ mangelhaften Spielwaren und Gebrauchsgegenständen aus China und anderen asiatischen Ländern (dies sei betont, denn China ist zwar das bekannteste Beispiel, jedoch leider nicht die unrühmliche Ausnahme) bei der Nutzung nach sich gezogen haben, müssen sich Unternehmen, die in China herstellen lassen, eine weitere Frage gefallen lassen.

Natürlich haben Globalisierung und der weltweite Wandel nachvollziehbare Konsequenzen. Merkwürdig wirkt es jedoch, wenn in den europäischen Heimatländern vieler Großkonzerne erbittert um Mindestlöhne gekämpft wird, während ohnehin mit steigender Tendenz in China zum regelrechten Hungerlohn produziert wird.

 

Wenn die Folge der Entscheidung zugunsten des Standortes China ist, dass die Qualität auf der Strecke bleibt, weil unmenschliche Arbeitsbedingungen und mehr ein als bedenkliches Verdienstniveau hochwertige Produktion fast unmöglich machen, sollte selbst der letzte Anhänger der globalen Marktwirtschaft erkennen, dass dieser Weg höchstwahrscheinlich in eine Sackgasse führen wird. Die wenigen Ausnahmen, in denen Unternehmen in China und angrenzenden Ländern den Lohnlevel anzuheben, bestätigen eben doch nichts anderes als die Regel. Das ständige Klagen aus Politik und Wirtschaft darüber, dass die Regierung der Volksrepublik endlich den entscheidenden Schritt auf den Westen zu machen müsse, wirkt vor dem besagten Hintergrund ausgesprochen fadenscheinig. Wenn der Gast im Land nach ganz ähnlichen Motiven funktioniert, wie sollte sich in China etwas maßgeblich ändern können? Die vermutlich eher utopische Lösung könnten wie so oft die kleinen vorbildlichen Schritte sein.

Autro: Matthias Nemack

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