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Hilfe von den Regierungen der richtige Weg aus der Krise? Oct 28 2008

Beitrag von freier Mitarbeiter freier Mitarbeiter | Artikel drucken

WirtschaftDie Ereignisse haben sich in den letzten Wochen immer wieder überschlagen. Während in den USA einzelne Banken in die staatliche Obhut übernommen werden mussten und auch weiterhin die Debatte um eine (Teil-) Verstaatlichung von Finanzhäusern im vollem Gange ist, geht es in verschiedenen anderen Ländern sozusagen ums nackte Überleben. Die Regierung Irlands beispielsweise sah sich gezwungen Garantien und Finanzierungshilfen in Höhe des zweieinhalbfachen Bruttoinlandsproduktes in Gang zu bringen, um den Zusammenbruch des heimischen Finanzsystems abzuwenden. Noch schlimmer trifft es die Branche in Island. Ein böser Witz im Finanzmarkt-Umfeld geht bereits dahin, dass man aktuell günstig ein eigenes Land erwerben könne. In der Tat ist das Land auf Kredite anderer Länder oder gar privater Investoren aus Russland angewiesen.

Und während die Regierungen in allen Teilen wie zuletzt in Deutschland wie selbstverständlich Geld in zum Teil hohen dreistelligen Größenordnungen in die maroden Systeme pumpen, stellen sich die Bürger und Banken- bzw. Versicherungskunden in aller Welt die berechtigte Frage: Ist es richtig, dass wir als die eigentlichen Geschädigten der hochspekulativen Geschäfte, die größtenteils erst zum entgültigen Ausmaß der Krise geführt haben, am Ende auch noch finanziell für die Fehler anderer gerade stehen müssen? Denn woher kommt das Geld, mit dem die Regierungen den Banken, Finanzierern und Versicherungen nun den Rücken stärken wollen? Richtig. Allein in Deutschland trägt rein statistisch jeder Bürger vom Kleinkind bis zum Rentner seinen Anteil in deutlich vierstelliger Höhe zu den Zahlungen von staatlicher Seite bei. Nur zu dem Zwecke, für diejenigen, mit deren Summen Schindluder getrieben wurde, Sicherheiten zu bieten. Im schlimmsten Falle einer Kalkulation kann dies bedeuten, dass Verbraucher mit durchschnittlich 6000 Euro aus der Staatskasse dafür haften, dass ihre finanziellen in deutlich niedrigerer Höhe gesichert werden. Das mutet für viele Verbraucher zurecht tragikkomisch an.

Hinzu kommt die Frage danach, warum eigentlich die gesamte Bevölkerung für die gravierenden Fehler vermeintlich nimmersatter Finanzjongleure den Kopf hinhalten sollen. Leider gibt es nur einen Lösungsansatz, der den Irrsinn hinter der gesamten Situation deutlich macht: Zahlen müssen die Bürger so oder so. Entweder, weil ihre Gelder in den Schlupflöchern der Krise versickern und in der Insolvenzmasse ehemals sicherer Bankenimperien versinken. Oder weil sie die staatliche Haftung mittragen und vielleicht doch von ihrem mühsam Ersparten später wenigstens anteilig etwas wiederbekommen. Eine wirkliche Wahl haben die Bankenkunden und Versicherten am Ende ohnehin nicht. 

So oder so. Für die Bausparer, Lebensversicherungskunden, Fondsbeteiligten und sonstige Vorsorgewillige ist die derzeitige Lage nur ein weiteres Argument, dass die Kritiker des Finanzsystem im Recht sind, wenn sie sagen: Der „kleinen Mann” ist am Ende sowieso der Dumme, der die Zeche zahlen muss. Zumindest funktioniert hier der Globalisierungsgedanke.

Autor: Matthias Nemack

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