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CSU: Wahlfiasko, Machtverlust und ein neuer Heilsbringer Oct 28 2008

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CSU-ChefVierzig Jahre lang kannte man in Bayern nur eine Partei: die CSU. Doch ist das südlichste Bundesland nun in der Realität eines Mehrparteiensystems angekommen. Nach dem Wahldebakel mit mageren 43 Prozent Stimmenanteil für die Christ-Sozialen (schlechtestes Ergebnis seit 46 Jahren) muss sich die kleine Schwester der großen CDU nun mit dem Gedanken anfreunden, eine Koalition bilden zu müssen. Ob sie das nach den letzten Jahrzehnten überhaupt kann, bleibt fraglich. Anbieten würden sich zum einen die Freien Demokraten, die mit 8 Prozent ihr bestes Ergebnis seit Jahren einfuhren. Aber auch die Freien Wähler, mit 10,4 Prozent der Stimmen immerhin drittstärkste Fraktion im Münchner Landtag, böten sich für eine Zusammenarbeit an. Das Prekäre an der Sache: Die CSU hat für ihre Koalitionsverhandlungen keine Zeit mehr. Laut bayerischer Verfassung muss eine Regierungsbildung spätestens vier Wochen nach der Wahl, also am 27. Oktober, abgeschlossen sein. Zurzeit verhandelt man mit der FDP und wenn alles glatt läuft, wird dieses Duo auch die nächste Regierungskoalition bilden.

Für das Duo Beckstein/Huber war es wohl der schwärzeste Tag ihrer politischen Karrieren. Nach einem „Flachkampf”, wie es ihnen parteiinterne Kritiker attestierten, war das Debakel eigentlich schon vorherzusehen, dennoch demonstrierten beide eine naive Zuversicht und sprachen immer wieder von 50Plus. Zu viel Alleinherrschaft macht anscheinend beratungsresistent. Und so kam, was kommen musste, nämlich das schlechteste Wahlergebnis seit Jahrzehnten. Doch der eigentliche Verlierer dieser Wahl heißt ganz klar SPD. Sie vermochte es nicht, die verlustigen 17 Prozent der CSU zu gewinnen und dümpelt wie eh und je im bayerischen Mittelmaß herum. Selbst die für Bayern eher ungewohnten und mit Argwohn beäugten Grünen konnten da einen besseren Wahlkampf  abliefern und immerhin 1,7 Prozentpunkte hinzugewinnen. Nach der denkwürdigen Wahl steht aber eines fest: Bunter war die politische Landschaft im Land von Kruzifix und Schloss Schwanstein noch nie. Darüber hinaus hat sie einem Mann zurück auf die bayerische Agenda geholt, der schon längst in Berlin heimisch geworden schien: Horst Seehofer.

Es ist noch nicht allzu lange her, da zog Horst Seehofer geknickt und gedemütigt Richtung Berlin, im Koffer eine Wahlschlappe gegen Erwin Huber um das Amt des Parteivorsitzenden. Nun, nachdem Huber und sein Spezi Beckstein den Karren gegen die Wand gefahren haben, ist Seehofer auferstanden wie der Phoenix aus der Asche. Nicht nur den Parteivorsitz, nein auch noch das Amt des Ministerpräsidenten hat er sich bei seiner Rückkehr einverleibt. Er soll jetzt quasi als alleiniger Heilsbringer die CSU zurück zu glorreichen Zeiten führen. Dass ihm das gelingen wird, scheint sicher. Denn kein anderer CSU-Politiker genießt in der bayerischen Bevölkerung mehr Ansehen als Horst Seehofer. Damit geht für den derzeitigen Verbraucherschutzminister ein Traum in Erfüllung. Denn schon zu Stoibers Zeiten schielte der smarte Oberbayer Richtung Parteispitze und Ministeramt. Nun hat sich seine Hartnäckigkeit endlich ausgezahlt. Und wer weiß, vielleicht wird er in ein paar Jahren der nächste Kandidat für das Bundeskanzleramt. Dies läge immerhin in der Tradition der CDU. Für Bayern bedeutet der Siegeszug des Horst Seehofer, dass endlich wieder ein echter Führungscharakter die Ruder in der Hand hat. Die Zeiten eines Beckstein oder Huber sind damit erst einmal passé - und das ist auch gut so.

Autor: Torsten Drewes

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