Er regiert die Demokratische Volksrepublik Korea mit eiserner Hand, schottet es gegenüber dem Rest der Welt ab wie einen Hochsicherheitstrakt und lässt sein Volk elendig verhungern, weil das ganze Geld für das Militär ausgegeben wird. Doch seit einiger Zeit brodelt es in der Gerüchteküche der Geheimdienste und Botschaften. Angeblich soll Kim Jong-il, der seit über 30 Jahren alleiniger Machthaber in Nordkorea ist, schwer erkrankt sein. Die Rede, schenkt man dem amerikanischen Geheimdienst Glauben, ist von einem Schlaganfall, den der Diktator Anfang August erlitten haben soll. Andere Spezialisten behaupten jedoch, dass der nordkoreanische Führer keinesfalls erkrankt sei. Auch die chinesische Regierung, immerhin einer der letzten Vertrauten Nordkoreas, hat offiziell keinerlei Hinweise auf eine Erkrankung Jong-ils. Die Südkoreanische Regierung geht dagegen fest davon aus, dass der Vorsitzende der Arbeiterpartei krank ist.
Anlass der Gerüchte
Die Spekulationen um den Gesundheitszustand von Kim Jong-il wurden entfacht, weil er an der großen Militärparade anlässlich des 60. Geburtstages der Volksrepublik nicht teilnahm. Außerdem sei er auf weiteren offiziellen Empfängen nicht anwesend gewesen. Dies nährt natürlich die Mutmaßungen, da Kim Jong-il ansonsten omnipräsent ist. Ein Nichterscheinen zur 60. Geburtstagparade ist für einen Diktator wie Kim Jong-il eigentlich undenkbar, daher scheinen die Gerüchte doch auf der Realität zu fußen. Die nordkoreanische Regierung hingegen dementiert alle Vorwürfe. Laut Kim Jong-Nam, der Nummer Zwei Nordkoreas, gehe es dem „Lieben Führer” gesundheitlich sehr gut. Wenn dem so sein sollte, welche Gründe gäbe es dann für das Abtauchen des „geliebten Führers”?
Attentat oder Finte?
Das ganze könnte lediglich eine Ablenkung für die ausländischen Geheimdienste sein. Kim Jong-il hat zwar erst kürzlich im Zuge der Atomwaffenverhandlungen einen Atommeiler verschrottet, vielleicht plant er aber demnächst einen neuen Raketentest oder sogar einen erneuten unterirdischen Atomtest? In die Spekulationen mischt sich aber auch die Theorie, dass der Diktator einen Anschlag auf sein Leben fürchtet. Dabei könnte es sowohl um einen Anschlag durch einen ausländischen Geheimdienst als auch durch die eigenen Militärs gehen. Eine weitaus einfachere Theorie ist, dass er wieder einmal die Öffentlichkeit an der Nase herumführt. Es wäre nicht das erste Mal, dass er ohne große Worte abtaucht und einige Zeit später ohne jegliche Erklärung wieder auf der Bildfläche erscheint.
Vielleicht stimmen aber auch die Gerüchte um seinen Gesundheitszustand, und der langjährige Kopf des nordkoreanischen Bauern- und Arbeiterstaates ist wirklich schwer erkrankt oder womöglich sogar schon verstorben. Dies wäre eine fast schon komisch anmutende Parallelität zu den kubanischen Ereignissen. Auch dort wusste damals niemand so genau, wie es um Fidel steht. Der Grund für eine solche Hinhaltetaktik liegt auf der Hand: Sollte Kim Jong-il nicht mehr die Strippen in der Hand haben, müsste seine Nachfolge nicht zuletzt mit dem übermächtigen Militärapparat geklärt werden. Ein Machtvakuum in Nordkorea hätte auf jeden Fall fatale Folgen.
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