Lange Zeit schien klar zu sein, dass einzig und allein Kurt Beck als Vorsitzender der SPD ein Anrecht auf die nächste Kanzlerkandidatur habe. Doch nach dem Hick Hack mit der Linkspartei, einem massiven Mitgliederverlust und den schlechtesten Umfragewerten seit Jahrzehnten hat Kurt Beck deutlich Federn lassen müssen. Frank-Walter Steinmeier, Außenminister und Vizekanzler, dementierte lange seine Ambitionen auf den Kanzlerposten. Doch scheint diese Haltung langsam aber sicher zu bröckeln.
Steinmeier ist der beliebteste SPD-Politiker
Wie Vertraute von Steinmeier berichten, wird der deutsche Außenminister den Kampf mit Parteichef Beck aufnehmen. Dieser hat bereits angedeutet, dass er sich eine Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur durchaus vorstellen könne. Den jüngsten Umfragen zufolge bleibt Kurt Beck auch gar keine andere Wahl. Unter seiner Führung hat sich die SPD zerstritten wie lange nicht mehr.
Das historische Umfragetief wurde im Mai mit lediglich 21 Prozent erreicht. Dieser Minusrekord spiegelt sich dann auch in der Beliebtheit von Kurt Beck wieder. Laut Politbarometer des ZDF rangiert der SPD-Vorsitzende auf Platz acht der Beliebtheitsskala, noch hinter Westerwelle, Beckstein und Schäuble. Frank-Walter Steinmeier hingegen sonnt sich auf dem zweiten Platz, lediglich 0,1 Punkte hinter Angela Merkel. Diese Werte wird die große alte Dame SPD nicht ignorieren können. Steinmeier hat also gar keine andere Wahl, als sich zur Wahl zu stellen. Auch wenn die SPD erst im nächsten Jahr bekannt geben wird, wer in das Rennen um das Bundeskanzleramt geschickt wird, so scheint doch bereits jetzt festzustehen, dass es nur Frank-Walter Steinmeier sein kann. In der derzeitigen miserablen Verfassung, in der sich die SPD präsentiert, scheint auch nur ein Steinmeier wirklich geeignet zu sein, um die Kohlen aus dem Feuer zu holen.
Der lange Weg zum Kanzler
Erst war er Staatssekretär in Niedersachsen, dann im Bundeskanzleramt und später dann leitete er selbiges. Im Zuge der großen Koalition ging dann sein Stern als Politiker auf: erst Außenminister, seit letztem Jahr auch noch Vizekanzler. Diese steile Karriere verdankt Steinmeier seiner ruhigen und besonnenen Art. Er findet stets die richtigen Worte zur richtigen Zeit und erweckt nie den Eindruck der Überheblichkeit oder Arroganz. Dies macht ihn bei der deutschen Bevölkerung so beliebt. Natürlich genießt Frank-Walter Steinmeier den Vorteil, Außenminister sein zu dürfen. Dieser Posten verhalf schon vielen seiner Vorgänger zu großer Beliebtheit. Es ist natürlich auch einer der dankbarsten Jobs, den das Bundeskabinett zur Verfügung stellt: Man ist stets in den Medien präsent, darf Hände wichtiger Leute schütteln und bedeutungsschwangere Reden halten. Dennoch, und das attestieren ihm sogar seine Gegner, hat Steinmeier eine besondere Hand für Diplomatie und große Politik. Kurt Beck agiert emotional und impulsiv - Steinmeier ruhig und besonnen. Taktisch sehr geschickt, hält sich Steinmeier wenn möglich aus dem Konflikt mit der Linkspartei heraus. Dies verschafft ihm natürlich Freiraum gegenüber seinen Konkurrenten. Der Pragmatiker Steinmeier hat jahrelang Erfahrung auf dem internationalen Parkett sammeln dürfen, ob vor oder hinter den Kulissen. Er kennt die internationale Bühne wie seine Westentasche und hat zudem ein Jahr als Vizekanzler Erfahrungen in der Innenpolitik sammeln dürfen.
Beck, Steinmeier oder doch Münti?
Dass Steinmeier Kurt Beck ausstechen wird, scheint eine beschlossene Sache zu sein. Doch gibt es vielleicht noch andere Konkurrenz, die ihm die Kandidatur noch streitig machen könnte? Ein Franz Müntefering, der sich anschickt, seine politische Karriere wieder aufzunehmen, könnte durchaus ein Stolperstein für Steinmeier werden. Schließlich war der Sauerländer jahrelang einer der beliebtesten deutschen Politiker. Für die SPD, die zum einen Wahlkampf machen muss, zum anderen aber auch mitregieren muss, könnte Müntefering ein guter Kompromiss sein. Denn als Vizekanzler und Außenminister gegen die amtierende Kanzlerin anzutreten, ist alles andere als förderlich. Und so könnte zum Schluss vielleicht doch Franz Müntefering der lachende Dritte sein. Und was wird aus Kurt Beck? Am Besten würde er dahin gehen, woher er gekommen ist: in die Provinz. In Rheinland-Pfalz würde er der SPD zumindest nicht weiterhin so viel Schaden zufügen.Â
Autor: Torsten Drewes
Popularity: 10% [?]

|
Stumble it
Digg it
Deli.icio.us
Technorati













