Russland unterschätzt macht einen Fehler. Wer Russland für demokratisch hält einen noch grösseren. Blind aber muss jemand sein, der glaubt alle Verwerfungen und Friktionen, die durch den Zerfall der Sowjetunion entstand waren, seien ausgeheilt.Russland und China sind Nationen, deren Führungen ohne demokratische Kontrolle enorme Gewaltpotenziale in Bewegung setzen können. Dabei ist das Streben Russlands nach „alter” Grösse ein beständiger Faktor, der durch den Wunsch nach ökonomischen Fortschritten meistens neutralisiert wird. „Blitzkriege” à la Georgien kosten etwas, vor allem das Wohlwollen der Partner.
Das die Nato jetzt ihre Beziehungen mit Russland einfriert, wird kaum zum ernsthaften Sorgen von Putin und Co. führen. Zu klar scheint es, das Europa langfristig nicht bereit sein wird, die ökonomischen Vorteile einer „guten” Beziehung zu Moskau, für Georgien aufs Spiel zu setzen.
Die momentanen, diplomatischen Verstimmungen werden nach dem Abzug der Truppen bald vergessen sein.  Was bleibt ist eine Nachricht an alle nach mehr Eigenständigkeit strebenden Staaten im Dunstkreis Russlands: Überschätzt eure „fernen” Freunde nicht.
Angela Merkel’s Unterstützung für einen Nato-Beitritt Georgiens fällt in diesem Zusammenhang auf. Ein Thema das nicht nur brisant ist, sondern auch schwer kalkulierbar. Zählt man hier noch den geplanten „US-Raketenschild” mit hinzu, wird es schwer eine Prognose über die weitere Entwicklung im Umgang mit Russland zu stellen.
Nur: Der Westen sollte nur Versprechen, was er auch halten kann. Wäre die „freie Welt” im Falle des Falls bereit für Georgien zu kämpfen?
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