Europa wird seinem Ruf gerecht und enttäuscht weder Russland, noch die scheidende US-Administration unter Georg W. Bush. Europa ist aussenpolitisch schwach.
Die Reaktion und Haltung der führenden und geführten europäischen Mächte war so voraussehbar, wie gewohnt. Gerne hat man die unbedarfte Handlung von Georgien zum Anlass genommen, um unverhohlen ein gewisses Mass an Verständnis für die imperiale Macht-und Einflusspolitik Russlands zu zeigen.
Georgien’s Präsident Saakaschwili war schlecht beraten, als er sich für ein militärisches Vorgehen entschied, keine Frage. Trotzdem ist es auch kaum umstritten, das Russland alles tut um die prowestliche Regierung in Georgien zu stürzen.
Das dabei rabiate Methoden angewandt und Opfer unter der Zivilbevölkerung billigend in Kauf genommen werden, ist keine akzeptable Verhaltensweise. Doch Russland muss sich um die europäischen Reaktionen nicht übertriebene Sorgen machen. Die Lippenbekenntnisse führender europäischer Politiker, gepaart mit der Strahlkraft des neuen Supereuropäers Sarkozy, lassen wenigsten in den Boulevardblätter des alten Kontinents, an den Einfluss Europa’s in Russland glauben.
Das Europa seine Einflussmöglichkeiten im Austausch mit Energielieferungen minimiert hat, wird selten wahrgenommen.  Für andere, tendenziell nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung strebenden Staaten in der Ex-Sowjetunion, wird das eine Lehre sein. Europa ist ein Freund für gute Zeiten. Die USA, im besten Falle, auch für schlechte.
Nun hat Russland in Georgien einen Sieg errungen, und es darf letztendlich davon ausgegangen werden, dass es ein kaum verhüllter, kompletter Sieg ist. Russland wird stärker, Europa wird schwächer. Die Perspektive eines vorsichtigen Barack Obama im weissen Haus, wird die Falken in Russland nicht eben entmutigen.
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