Dass der Nahe Osten zurzeit ein ruhiges Terrain ist, kann man wahrlich nicht behaupten. Die Hamas bekriegt sich mit der Fatah, im Irak und Afghanistan sterben unschuldige Menschen durch Bombenattentate und das iranische Militär testet nebenbei mal eben die Reichweite seiner neuen Raketen. Das alles macht die Lage nicht gerade sicher.
Damit aber noch nicht genug. Denn im Streit um das Atomprogramm des Irans scheint die Situation langsam aber sicher zu eskalieren. Der Sicherheitsexperte Sami al-Faraj prophezeite jetzt in einem Interview mit Spiegel Online, dass ein einziger Zwischenfall ausreiche, um die Situation zum Eskalieren zu bringen. Als hätte die Welt in den letzten Jahren nicht schon genügend Kriege bezeugen dürfen, schleicht sich jetzt auch noch Amerika an, einen Militärschlag gegen Iran vorzubereiten. Dies hält auch al-Faraj für wahrscheinlich. Nehmen die USA die Eskalation daher dankend an? Es spricht einiges dafür, dass Big Brother aus Übersee ein großes Interesse an einer Eskalation hat. Der Streit um das Atomprogramm scheint dafür lediglich ein willkommener Anlass zu sein.
 Baut Iran die Atombombe?
 Jahrelang lief das Atomprogramm des Iran unbehelligt von der Öffentlichkeit vor sich hin. Bereits vor über vierzig Jahren erhielt Iran die ersten Forschungsreaktoren, pikanter Weise ausgerechnet von den USA. Durch den Sturz des Schahs und den Krieg mit dem Nachbarn Irak verschob sich die Entwicklung des ersten Atommeilers allerdings. In den Neunzigern nahm Iran die Forschung wieder auf und treibt seitdem die Entwicklung voran. Angeblich soll im nächsten Jahr das erste Atomkraftwerk ans Netz gehen. Soweit so gut. Der Konflikt um das Atomprogramm entstand, da vor allem die USA dem Iran vorwerfen, die Forschung nicht nur für friedliche Zwecke zu betreiben. Genährt werden diese Vorwürfe durch das Verhalten des radikalen Mahmut Ahmadinedschad. Seitdem der kleine Hassprediger in Amt und Würden ist, gab es immer wieder Provokationen. So wurden die Kontrolleure der IAEA behindert oder der Forschungsreaktor in Isfahan wieder in Betrieb genommen, obwohl dies untersagt war. Irans Präsident Ahmadinedschad weist immer wieder darauf hin, dass der Atomwaffensperrvertrag scheinheilig sei und er diesen nicht anerkennen werde. Denn schließlich haben auch Israel, Indien und Pakistan Atomwaffen, den Sperrvertrag aber nicht unterzeichnet. Mit dieser Haltung spielt er natürlich genau denjenigen in die Hände, die behaupten, der Iran bastle an der Atombombe. Damit aber nicht genug. Durch die immer wiederkehrende Drohung Ahmadinedschads Richtung Israel, den zionistischen Staat vernichten zu wollen, sehen sich natürlich alle Kritiker bestätigt. Die IAEA konnte dem Iran bis heute nicht nachweisen, dass er die Urananreicherung für militärische Zwecke nutzt. Verschiedene Geheimdienste und Deserteure bestätigen hingegen immer wieder, dass Iran über geheime Forschungseinrichtungen für militärische Zwecke verfüge. Die erst kürzlich durchgeführten Tests der Mittelstreckenraketen sprechen für die These, dass Iran an einer Atombombe baut. Denn angeblich können diese mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden.
Das Ende der Diplomatie?
Seit Jahren versuchen die verschiedensten Akteure, eine friedliche Lösung des Konfliktes herbeizuführen. Die EU, die USA, Russland aber auch die IAEO und der Weltsicherheitsrat haben sich schon bemüht. Erst vor einer Woche wurde in der Schweiz erneut verhandelt. Das Ergebnis war jedoch wieder einmal ernüchternd. Iran beharrt nach wie vor auf seinem Recht, Uran anreichern zu dürfen. Daraufhin drohten die USA und England, notfalls mit harten Sanktionen durchzugreifen. Sanktionen sind aber oftmals nur der Anfang vom Ende, man denke an den Irak. Mit seiner bornierten Haltung riskiert Ahmadinedschad, die Lage vollends eskalieren zu lassen. Den USA hingegen dürfte diese Haltung sehr entgegen kommen. Den Amerikanern dürfte es in erster Linie nämlich nicht um das Atomprogramm gehen. Die Zukunft wird vom Kampf um Ressourcen beherrscht sein, so viel steht fest. Da Iran eines der erdölreichsten Länder dieser Erde ist, scheint ein Einmarsch durch die USA nur eine Frage der Zeit. Zurzeit steht eigentlich nur der riesige Aufwand im Weg, den die USA im Irak betreiben. Die Vorbereitungen auf einen Militärschlag gegen Iran laufen jedoch bereits auf Hochtouren. Das Raketenabwehrsystem in Osteuropa und der kürzlich ausgehandelte Kontrakt mit der irakischen Regierung über eine dauerhafte Militärbasis sind nur zwei eindeutige Hinweise. Man muss kein Zyniker sein, um festzustellen, dass die USA die Verhandlungen mit Iran ganz kontrolliert gegen die Wand laufen lassen, um so letztendlich eine Rechtfertigung für einen Militärschlag zu haben. Die Vorgehensweise ähnelt der im Vorfeld des Irakkrieges zu sehr, um noch an eine friedliche Lösung glauben zu wollen. Ob ein Barack Obama an der Strategie der USA etwas ändern wird, ist mehr als fragwürdig.
Autor: Torsten Drewes
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