Kaum war das Abkommen zwischen Tschechien und den USA über die Stationierung einer Radaranlage in der Nähe der tschechischen Stadt Pilsen unterzeichnet, hörte man in Moskau bereits die Säbel rasseln. „Sollte ein Raketenabwehrsystem in der Nähe unserer Grenze errichtet werden, so werden wir nicht mit diplomatischen, sondern mit militärtechnischen Mitteln reagieren”, so das russische Außenministerium. Harter Tobak, der an eine längst vergessene Zeit erinnert. Den Kampf der Amerikaner für eine freie und demokratische Welt findet eben nicht überall Anklang. Der Plan der USA erregte bereits vor zwei Jahren, kurz nach seiner Veröffentlichung für eine frostige Beziehung zwischen dem Kreml und dem Weißen Haus. Auf der Sicherheitskonferenz in München drohte schon damals ein offensichtlich verärgerter russischer Präsident den USA und Europa ganz unverhohlen. Nach intensiven Gesprächen beider Parteien war jedoch erst einmal Ruhe eingekehrt, und die Hoffnung auf eine Einigung war durchaus berechtigt.
Der Stein des Anstoßes ist das Raketenabwehrsystem, welches nach Dünken der USA bis zum Jahr 2011 in Polen und Tschechien stationiert sein soll. In Tschechien ist die Errichtung einer Radaranlage vorgesehen, und in Polen sollen zehn Abwehrraketen aufgebaut werden. Damit möchte die letzte verbliebene Supermacht Europa aber vor allem Israel vor Angriffen zum Beispiel durch den Iran oder durch Terroristen schützen. Russland hingegen sieht diesen Plan als Affront gegen seine Vormachtstellung und fühlt sich durch die Raketen vor seiner Haustür in der Souveränität beschnitten und gedemütigt. Hinzu kommt, dass Russland den NATO-Verbündeten, allen voran den USA vorwirft, mit Hilfe der Radarstation Spionage betreiben zu wollen. Die gestrige Unterzeichnung des Vertrages durch Condoleezza Rice und ihren tschechischen Kollegen Karel Schwarzenberg ist aber nur ein kleiner Schritt zur Verwirklichung dieses Abwehrprogramms. Zeitgleich werden Verhandlungen mit den polnischen Vertretern über die Stationierung der Raketen in Polen geführt. Diese Gespräche sind unlängst ins Stocken geraten, da Polen eine Militärspende in Milliardenhöhe fordert, die die USA nicht gewillt sind zu leisten. Aber auch in Tschechien sind die Pläne noch längst nicht in trockenen Tüchern. Erst wenn das tschechische Parlament dem Vertrag zustimmt, kann von einem Erfolg gesprochen werden. Da die Regierungsmehrheit aber nur hauchdünn ist, könnten die amerikanischen Träume schnell zerplatzen.
 Jede Menge Wenn und Aber begleiten also die Bemühungen der USA und der NATO-Partner. Rice gab sich gestern jedoch kämpferisch und äußerte, dass die Bedrohung durch die Verbreitung von Raketen nicht eingebildet sei, und dieses Abkommen ein Meilenstein für die internationale Gemeinschaft darstelle. Angesichts der Tests von Langstreckenraketen durch den Iran möchte man ihr glauben. Doch bedroht der Iran und sein Hass predigender Präsident vor allem Israel. Die Israelis sind, was die militärische Stärke betrifft, bestens gegen Raketenangriffe gerüstet, man denke nur an den ersten Golfkrieg. Worin liegt also der Vorteil eines solchen Raketenabwehrgürtels? Er schürt einen unnötigen Konflikt mit Russland und kostet die USA, sollte sich Polen durchsetzen, einen großen Batzen Geld. Die USA brauchen Feindbilder, um ihre monströsen Rüstungsausgaben zu rechtfertigen. Da ihnen diese so langsam aber sicher abhanden kommen, müssen neue Schurkenstaaten geschaffen werden. Die Pläne könnten aber auch darauf hindeuten, dass die USA tatsächlich in naher Zukunft einen Militärschlag gegen Iran planen. Dann wäre ein solches Raketenabwehrsystem durchaus sinnvoll. Das erst kürzlich vereinbarte Abkommen mit dem Irak spricht für ein solches Szenario. Steht uns also doch der nächste Krieg am persischen Golf bevor?
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