Nach 6 Jahren ist sie endlich frei. Diese Zeit muss ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen sein. Sporadisch immer wieder in den Medien, was sie vor allem ihren sich engagiert einsetzenden Angehörigen zu verdanken hatte, wurde sie in Paris vom französischen Präsidenten empfangen.
Die Diplomatengattin war ein hohes Risiko eingegangen als sie sich 2002 aufmachte gegen die korrupten Eliten eines Landes anzutreten, deren Verbindungen mit der Drogenmafia die Politik zu einem höchst gefährlichem Spiel machten. Eine Wahlkampfreise in ein ehemals von der FARC kontrolliertes Gebiet wurden ihr letztendlich zum Verhängnis und zum Beginn ihres Leidensweges. Ihr französischer Pass und vielfältige Unterstützung durch Solidaritätskomitees sorgten in der Folge dafür,  dass ihr Schicksal nicht in Vergessenheit geriet.
Nicolas Sarkozy, der ihre Befreiung zu einem der Ziele seiner Präsidentschaft ernannt hatte, kann in dieser Sache kaum mit eigenen Leistungen punkten. Trotzdem dürfte er über ihre Befreiung mehr als erfreut sein. Er befindet sich in einem Umfragetief und selbst seine singende Ehefrau Carla Bruni wird mit eingespannt um seiner Präsidentschaft wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Die Franzosen sind hierbei geduldig und bringen vor allem Bruni Sympathie entgegen. Sarkozy hat ähnlich wie Berlusconi die Macht der Fernsehanstalten erkannt und versucht sie noch stärker, als sie es von der französischen Machtsituation her eh sind, unter seine Kontrolle zu bringen. Da wird schon einmal ein ungeliebter Moderator entlassen und durch eine „linientreue” Person ersetzt. So ist es kein Wunder das Nicolas Sarkozy die Befreiung der Ingrid Betancourt zum Medienhype auszubauen versucht, hofft er doch ein wenig Glanz der Situation möge auf ihn fallen. Betancourt und Sarkozy bieten schöne Bilder. Die Befreite wird sich daran kaum stören.
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