Nachdem feststeht, welche Kandidaten um den Einzug ins Weiße Haus buhlen, beginnt langsam aber sicher die heiße Phase des Wahlkampfes. Und da die Amerikaner einen Hang zu Inszenierungen haben, kam es schon jetzt zu den ersten verbalen Attacken beider Kandidaten. Der republikanische Anwärter John McCain warf Barack Obama eine extrem naive und gefährliche Haltung bezüglich der Anti-Terror-Politik vor. Die Antwort des Demokraten ließ nicht lange auf sich warten. Obama konterte, indem er McCain und seiner Riege vorwarf, nach dem 11. September den Irakkrieg als Ablenkung inszeniert zu haben, obwohl man die Attentäter der Anschläge hätte festnageln können. Das erste Säbelrasseln beider Kontrahenten ist also schon Geschichte. Doch haben beide eigentlich dringendere Probleme. Insbesondere Barack Obama muss nach den langwierigen Vorwahlen endlich sein Profil schärfen und ein echtes Wahlprogramm auf den Tisch legen. Mit seiner Platitude „Change - We can believe in” kommt er jetzt, wo es um Inhalte und Substanz geht, nicht mehr weit. Zwar werden der Irakkrieg und ein möglicher Truppenabzug aus dem Zweistromland eine große Rolle im Wahlkampf spielen, doch gibt es für die Wähler in den USA noch dringendere Themen, die auf die Agenda gehören.
 Wirtschaft, Klima und Gesundheitswesen
Das dringlichste Problem in den USA ist wohl die daniederliegende amerikanische Wirtschaft. Im Zuge der Bankenkrise und den Skandal um die Hypothekenvergabe ist die US-Wirtschaft in eine Abwärtsspirale geraten. Als auch noch bekannt wurde, dass viele amerikanische Haushalte ihre Kreditkartenrechungen nicht mehr decken konnten, muss man sogar von einer echten Rezession sprechen. Hinzu kommt der stark gestiegene Ölpreis, was eine effektive Wirtschaftspolitik noch schwieriger machen dürfte. McCain mag in vielen Punkten anderer Meinung sein als George W. Bush, in der Frage der Wirtschaftspolitik steht er ihm allerdings sehr nahe. Er befürwortet eine stark liberal ausgerichtete Wirtschaftspolitik und möchte die versprochenen Steuersenkungen für Spitzenverdiener beibehalten. Die Unternehmenssteuer soll außerdem noch weiter gesenkt werden. Obama hingegen will sich mehr für die Mittelschicht einsetzen. Laut seinen Plänen sollen die Durchschnittseinkommen in Zukunft geringer belastet werden. Die Entlastungen für Spitzenverdiener will er dagegen zurücknehmen. Auch in Sachen Wirtschaft und Freihandel würde es unter Obama Einschränkungen geben. So möchte der smarte Hawaiianer Grundsätze der nordamerikanischen Freihandelszone ändern.
Ein weiteres Wahlkampfthema wird die Reform des Gesundheitswesens sein. Zwar ist Obama in diesem Punkt nicht so radikal wie seine ehemalige Kontrahentin Hillary Clinton, doch möchte auch er das System ändern. Es soll eine Gesundheitsversorgung auf freiwilliger Basis geben. Von McCain ist in dieser Angelegenheit noch nichts zu hören gewesen. In Sachen Klimawandel vertritt Obama dieselbe Linie wie Hillary Clinton. Es sollen Klimaschutzprogramme ins Leben gerufen werden. Außerdem soll der CO2-Ausstoss durch einen Emissionshandel in den Griff bekommen werden. Für die Republikaner recht ungewöhnlich, hat McCain in diesem Punkt erstmals für den Klimaschutz Stellung bezogen. Auch er will alternative Energiequellen fördern und die CO2-Emission mindern. In kaum einem anderen Wahlkampf hat es mehr Themen gegeben, die den Amerikanern wirklich unter den Nägeln brannten, wie in diesem. Es wird also nicht nur eine Entscheidung zwischen Jung und Alt, Schwarz und Weiß, sondern auch zwischen grundsätzlichen Änderungen zur desaströsen Politik des Herrn Bush.
Obama in Umfragen vorne
Gut vier Monate vor der Wahl zum 44. Präsidenten der USA liegt laut einer aktuellen Umfrage des Fernsehsenders NBC und des „Wallstreet Journals” Barack Obama klar vor seinem Kontrahenten McCain. Noch größere Chancen werden dem Senator aus Illinois eingeräumt, wenn er Hillary Clinton mit ins Boot nehmen würde. Unterstützung erhielt Barack Obama indes vom ehemaligen Vizepräsidenten und Nobelpreisträger Al Gore. Er positionierte sich ganz klar hinter Obama. Das Rennen um das Weiße Haus ist aber noch längst nicht gewonnen. Auch wenn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung für einen Wechsel ist, bleibt dennoch der fade Beigeschmack, dass Obama ein recht unerfahrener Politiker ist. In Anbetracht der großen wirtschaftlichen und finanziellen Probleme in den USA könnte sich am Ende doch die Erfahrung eines John McCain durchsetzen. Für Europa und Deutschland ist es eigentlich unerheblich, wer sich letztendlich durchsetzt. Schlechter als unter George W. Bush können die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten gar nicht mehr werden. Daher wird es in Zukunft wohl wieder mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen geben.
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