Hier in Europ lesen wir die Schlagzeilen, hören und sehen die Berichte der Vorwahlen der US-Demokraten. Wie faszinierend ein Kandidat sein kann, speziell Barack Obama, zeigen die Resultate in den Vorwahlen und das Medienecho.
In der letzten grossen Debatte hätte Sie, wollte sie ihre Chancen auf einen Sieg noch wahren, einen eindeutigen “Sieg” benötigt. Doch wer die Diskussion gestern in Austin (Texas) verfolgt hat, konnte sehen, wie machtlos jede Argumentation gegen Obama bleibt.
Ihre Programme sind ähnlich, nur ihr Versprechen an die Wähler ist unterschiedlich. Obama verspricht Hoffnung, verspricht neue Lösungsansätze. Doch muss er sich zu Details äussern, dann unterscheidet sich seine Programmatik kaum von seiner Konkurrentin.
Viele Elemente seiner Reden begeistern die Menschen, deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick auf seine Reden:
“Dem Lobbyismus (Special Interest Groups) den Einfluss nehmen.”
Das amerikanische Politiksystem lebt vor allem von “privatem” Geld und prinzipiell ist es auch nicht verwerflich, sich der besonderen Belange einzelner Gruppen anzunehmen. Genaugenommen wird dies auch in Europa praktiziert, auch in der Schweiz. Ob ein Politiker nun gewerkschaftsnah ist, oder starke “Bindungen” zu einzelnen Firmen, oder Wirtschaftsverbänden hat, diese Verhältnisse bleiben ein Bestandteil der Politik. Es entstehen immer dort Probleme, wo das “allgemeine” Wohl und die Interessen von gesellschaftlichen Gruppen kollidieren. Hier ist die Integrität des Politikers gefordert.
Gerade in der amerikanischen Gesellschaft gegen die “Special Interest Groups” zu polemisieren, ist zwar in und wurde auch in der Vergangenheit schon thematisiert, aber die “Einflussnahme” dieser Lobby’s auszuschliessen, bleibt ein unerfüllbares Versprechen. Obama spricht hier die Vorurteile vieler Menschen an, ist aber sorgfältig darauf bedacht keine Versprechungen zu machen. Sollte er Kandidat der US-Demokraten werden wird er das “Thema” auch “tiefer hängen”. Es hat dann in der Breite, die gesamte USA betrachtet, nicht mehr einen sehr grossen “propagandistischen” Wert.
“Amerika (Washington) denn Amerikanern “zurückgeben”
Barack Obama nimmt auch hier ein populäres Vorurteil auf. “Die in Washington, diese abgeschottete Gruppe, die ja keine Ahnung vom “wirklichen” Leben hat und deshalb keine Politik für’s Volk macht.”
Diese Grundaussage würde sich auf viele demokratischen Länder übertragen lassen. Obama meint im übertragenen Sinne:”Wir zusammen können das ändern, damit es Washington wieder eine Regierung für das Volk geben wird.”
Natürlich weiss Obama, das die USA keine direkte Demokratie ist, das die Gesetze durch u.A. durch den US-Senat bestätigt werden müssen. Mögen zwar alle Parteien auf Umfragen und Wiederwahlchancen spekulieren, letztendlich wird sich Obama, mit genau diesem Washington arrangieren müssen, um Dinge um zusetzten. Das Volk kann dann bei der nächsten Wahl wieder mitreden. Die Gegensätze zwischen US-Demokraten und US-Republikaner sind gross.
“Obama ist ein Afro-Amerikaner”
Obama wäre der erste “schwarze” Präsident. Diese Aussicht scheint und wäre historisch neu. Schnell aber würde die “Sensation” verblassen, der Tatsache weichen, das nicht die Hautfarbe über die Qualität von Politik entscheidet, sondern die getroffenen Entscheidungen. Das Obama im Ausland mit seiner “Hautfarbe” Sympathiepunkte sammeln wird, ist klar. Dies wird aber Entscheidungen und Verhandlungen nicht einfacher machen. In der globalen Welt kommt es auf “Leadership” an, und die kennt keine Hautfarbe.
Und was ist mit Hillary ? Sie ist weder “schwarz”, noch eine Predigerin. Sie ist “bloss” eine Frau. Gesegnet mit vielen “eingeschworenen” Feinden, einem Ehemann, dessen moralische Reputation schwer beschädigt ist. Doch gegen einen gnadenlosen Populisten, dessen überzeugende Show die Jugend mobilisiert, sieht
ihr vernunftbezogenes Wesen blass aus. Sie kann aber stolz sein, als Frau und als Politikerin, so weit gekommen zu sein.
Es bleibt eine unbedeutende Randnotiz der Geschichte, das sich Obama gerade mit dem Washington, das er so oft kritisiert, arrangieren wird, falls er Präsident wird. Und dann wird auch bei ihm die Regel gelten:
“Was interessieren mich meine Reden von gestern ?” Schon in seinen letzten Reden hat er gewarnt, es werde Enttäuschungen geben. Er sorgt vor.
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