Während am heutigen Tag eine Statistik über Armut in der Schweiz durch die Medienlandschaft geistert, ist die Frage nach der politischen Resonanz solch einer Meldung berechtigt.
Traditionell betrachten sich Parteien links von der Mitte, als Gralshüterinen der sozialen Belange. So sieht sich die SP in der Schweiz gerne als Partei der “kleinen Leute”.
Diese Selbsteinschätzung ist aber gefährlich oberflächlich und bis zu einem gewissen Masse auch naiv. In vielen Länder Europa’s hat die Sozialdemokratie an Zustimmung verloren. Ein Grund ist sicherlich die demographische Veränderung der Wählerschaft, ein anderer Grund ein wachsendes Glaubwürdigkeitsdefizit bei Wählern, die bis anhin traditionell sozialdemokratisch gewählt haben. Ein Hauptproblem ist die “intellektualisierung” der Sozialdemokratie, die nicht mehr der “politische Arm” der Arbeitnehmer sein will, sondern die sozialen Belange, als einen Teil eines “allgemeineren” Politikansatzes begreift. In der Wirtschaft würde man wohl jetzt von einer Schwäche in der “Kernkompetenz” eines Unternehmens sprechen. Es ist deshalb nur logisch, das der sogenannte “kleine Mann oder Frau”, keine eindeutige, politische Heimat mehr hat. Dementsprechend verringern sich die traditionellen Bindungen an Parteien. Einher mit dieser Entwicklung geht die programmatische Schwäche, oft kaschiert mit populistischer Beliebigkeit. Nach wie vor ist die traditionelle, linke Seite des Parteienspektrums der Gefahr der Zersplitterung ausgesetzt. Dies eröffnet neuen Gruppierungen, die über ein klares Profil verfügen, Raum für Agitation. Die Sozialdemokratie in Europa durchlebt einen Veränderungsprozess, von historischer Grösse. Sie wird sich entweder erfolgreich selbst neu erfinden, oder sie wird durch neue “soziale Gruppierungen” immer mehr an Einfluss verlieren.
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