Ok. Sie haben mir versprochen, dass mein Name nicht genannt wird. Ich verlasse mich darauf. Ja?!
(Der Mann wirkt leicht nervös und wischt sich mit einem Taschentuch das Gesicht ab)
Also, es stimmt morgen wird der Christoph bei uns eintreffen und selbstverständlich haben wir schon alles vorbereitet. Überall haben wir Blumen aufgestellt und auch ein paar Bilder haben wir ausgetauscht. Sie wissen schon, Alpenpanoramas und Tell’s hängen jetzt an den Wänden. Das war vielleicht ein Stress und die Kosten erst, die Kosten .. .
(er blickt dabei traurig gegen die Decke)
Echte Probleme haben aber die bisherigen Insassen gemacht, also ich meine Gäste. Sie wissen schon, kein Personal,  und dann noch die Alten, ich meine Senioren, mit ihren Wehwechen. Manche tun so, als ständen sie noch mitten im Leben ! Stellen sie sich vor, kaum ein Verwandter schaut je vorbei, die alten Bilder auf den antiquierten Möbel werden staubig, die müssen ja depressiv werden !
(er zündet sich eine Zigarette an und zieht nervös an ihr.)
Zurück zum Thema. Jetzt kommt also so ein „Stargast” und denen ist dass egal, wirklich egal !
Lächeln habe ich gesagt, jetzt müsst ihr lächeln, die Presse kommt vorbei !
Ich sage ihnen, null Wirkung. Ok, habe ich mir gedacht, ein bisschen weniger Antidepressiva im Dessert und die kommen wieder auf Touren. Denkste !
(er lacht leicht hysterisch)
Ok, den Pressetermin haben wir dann ins freie verlegt, einigen Senioren versprochen, der Sohn oder die Tochter käme auf Besuch, später dann… . Ich glaube allein die frische Luft hat einige von denen schon ein wenig „high” gemacht. Hat aber schöne Photos gegeben. Von aussen sieht das Haus ja auch irgendwie gut aus. Wäre der Termin im Haus gewesen hätte ich extra putzen lassen müssen, und glauben sie mir, schon einmal im Monat kostet uns ein Vermögen.
(er schaut nervös auf seine Rolex)
Dann ist er also gekommen, der Christoph B. Ich habe extra noch Parteifähnchen besorgt. Die Aufmüpfigsten haben wir vorsorglich ruhig gestellt. Wir haben sogar einen Coiffeur ins Haus geholt, der die Frisuren der Leute wieder auf Vordermann bringt. Wegen den Bilder und so.
Die Sache ging gut über die Bühne, die Presse bekam gute Bilder und die paar „Gäste” die befragt wurden, haben eh nur wenig gesagt. Die waren ja müde, Antidepressiva, sie verstehen.
(er lächelt verschmitzt)
Gut, die Gertrud musste natürlich wieder aus der Reihe tanzen, von wegen schlechtem Essen und den Medikamenten und so. Aber der Reporter war von einem Internetservice, dass liest eh keiner.
Vielleicht bringt uns die Aufmerksamkeit ein höheres Budget. Wissen sie, wir hatten schon lange keine Lohnerhöhungen hier.
Dieser Text ist eine Satire. Sie sollten sich dadurch nicht angegriffen fühlen.
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